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08.06.2026

Hochsensibilität

Was bedeutet Hochsensibilität? Beschreibung aus meiner Fallarbeit: «Mein Raum» - Eigenraum und Grenze in der Arbeit mit hochsensiblen Menschen

Aufgrund meiner eigenen Hochsensibilität, entschloss ich mich für den Abschluss der Ausbildung eine Fallarbeit zu schreiben, welche von diesem Persönlichkeitsmerkmal handelt. Dies ist der kurzgefasste Teil der Beschreibung der Hochsensibilität aus meiner Arbeit.

Elaine N. Aron, eine amerikanische Psychologin, hat das Konzept der Hochsensibilität (Highly Sensitive Person, HSP) in den 1990-er Jahren wissenschaftlich geprägt. Die Grundannahme ist, dass hochsensible Menschen ein sensibleres Nervensystem besitzen, welches Reize gründlicher verarbeitet. Dadurch nehmen sie Details wahr, reagieren intensiver auf subtile Eindrücke und benötigen oft mehr Zeit zur Verarbeitung.

Was wir heute unter Hochsensibilität (auch Hochsensitivität genannt) verstehen, ist ein Wesenszug, den ca. 20% (oder sogar mehr!) der Menschen besitzen. Es ist eine Veranlagung, welche von Geburt an besteht und weder gut noch schlecht, sondern neutral ist.
Die vier Hauptkriterien bzw. Hauptmerkmale von Hochsensibilität nach Elaine N.Aron,
welche sie als DOES zusammenfasst, sind:

• Tiefgehende Verarbeitung (Depth of processing): Hochsensible Menschen denken intensiver über Informationen nach, reflektieren mehr und ziehen viele Zusammenhänge.
• Überstimulation/Reizüberflutung (Overstimulation): Aufgrund der hohen Aufnahmefähigkeit kann das Nervensystem schneller überlastet werden, insbesondere bei Lärm, Zeitdruck oder in Menschenmengen.
• Empathie und emotionale Reaktivität (Emotional reactivity and empathy): Menschen mit Hochsensibilität reagieren stärker auf positive und negative Emotionen (eigene und andere). Oft sind sie sehr mitfühlend.
• Wahrnehmung von Feinheiten (Sensitivy to subtleties): Sie bemerken subtile Reize wie kleine Veränderungen in der Stimmung anderer, Geräusche, visuelle Details oder feine Gerüche.

Nebst diesen vier Kernaspekten beschrieb Aron Begleitmerkmale, welche häufig vorkommen wie:
starke emotionale Tiefe, Bedürfnis nach Ruhephasen und Rückzug, starke Intuition und Kreativität, Tendenz zur Überanalyse und Perfektionismus, hohes Mass an Gewissenhaftigkeit.
In der Forschung hat sich seit einigen Jahren folgende allgemeine Definition der Empfindsamkeit von Prof. Dr. Michael Plüss etabliert: «Sensitivität ist die Fähigkeit, Umgebungsreize zu registrieren und zu verarbeiten».

Brigitte Küster, eine deutsche Autorin, hat das Konzept von Elaine N. Aron aufgegriffen und für den deutschen Sprachraum praxisnah aufbereitet. Ihr Ansatz ist praktisch und alltagsorientiert.

«Sehr empfindsame Menschen können Erlebnisse und Situationen nicht so leicht «ablegen», sondern die Dinge «laufen ihnen nach» und sie brauchen offensichtlich mehr Zeit zur Verarbeitung. Ausserdem machen Hochsensible oft die Erfahrung, dass sie die Gefühle anderer Menschen aufnehmen, als wären es ihre eigenen». (S.31,B.Küster, 2022)

Laut Küster sind Verletzungen oder Traumatisierungen, aus denen eine höhere Sensibilität hervorgeht, zu unterscheiden von einer erhöhten Sensibilität, welche von Geburt an besteht.
Insgesamt ist zu sagen, dass hochsensible Menschen mehr zu spüren, mehr aufzunehmen und tiefer zu verarbeiten scheinen. Ihr Nervensystem nimmt nicht nur die Worte anderer, sondern auch ihre Blicke, Spannungen und unausgesprochene Zwischentöne auf. Sie erkennen, was andere oft übersehen. Häufig halten sie Räume zusammen, weil sie mitfühlen und spüren, was gerade nötig ist.
Dies alles benötig verständlicherweise mehr Energie, weswegen Hochsensibilität auch ein Faktor sein kann um auszubrennen oder erschöpft zu sein.

Elaine N.Aron entwickelte einen Fragebogen mit 27 Aussagen, welcher helfen soll, Hochsensibilität einzuschätzen (siehe https://www.zartbesaitet.net/hsptest/hsptest.php oder https://www.hochsensibilitaet-netzwerk.com/hochsensibel-test/).